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Das neue Berufsbildungsgesetz: Was Betriebe jetzt wissen sollten

Ausbilder erkl?rt Azubis Maschine

In der Ausbildung ?ndert sich durch die Gesetzesnovelle einiges

© Getty Images / SolStock / E+

Mehr Attraktivit?t, Flexibilit?t und internationale Anschlussf?higkeit der Beruflichen Bildung – das sind die Ziele, die mit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) erreichen werden sollen. Die neuen Regelungen sind zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten. Hier k?nnen Sie sich über die wichtigsten Neuerungen informieren.

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Konkrete Fragen zum BBiG? Die Industrie- und Handelskammer hilft und ber?t. Hier gelangen Sie zum Webauftritt Ihrer IHK.

Mindestausbildungsvergütung für Auszubildende festgelegt

Für alle Azubis, deren Ausbildungsbetriebe keiner Tarifbindung unterliegen, gilt künftig eine Mindestausbildungsvergütung (siehe Tabelle). Sie kann unterschritten werden, wenn ein geltender Tarifvertrag eine geringere Vergütung vorsieht.?Weiterhin gilt jedoch die bisherige Regelung zur Angemessenheit der Ausbildungsvergütung, der zufolge die Ausbildungsvergütung nicht tarifgebundener Betriebe 80 Prozent der branchenüblichen Vergütung nicht unterschreiten darf.

Betroffen sind alle Ausbildungsvertr?ge, die ab dem 1. Januar 2020 abgeschlossen werden. Grundlage für die Berechnung der Vergütungsh?he ist das Jahr des Ausbildungsbeginns, ab dem zweiten Ausbildungsjahr kommen gesetzlich festgelegte Steigerungss?tze zur Anwendung.

Beginn der
Ausbildung

1. Aus-
bildungsjahr

2. Aus-bildungsjahr

+ 18 %

3. Aus-bildungsjahr

+ 35 %

4. Aus-bildungsjahr

+ 40 %

2020

(01.01.-
31.12.2020)

515 €

608 €

(515 € + 18 %)

695 €

(515 € + 35 %)

721 €

(515 € + 40 %)

2021

(01.01.-
31.12.2021)

550 €

649 €

(550 € + 18 %)

743 €

(550 € + 35 %)

770 €

(550 € + 40 %)

2022

(01.01.-
31.12.2022)

585 €

690 €

(585 € + 18 %)

790 €

(585 € + 35 %)

819 €

(585 € + 40 %)

2023

(01.01.-
31.12.2023)

620 €

732 €

(620 € + 18 %)

837 €

(620 € + 35 %)

868 €

(620 € + 40 %)

ab 2024

Wie die Mindestausbildungsvergütung in den Folgejahren anzupassen ist, gibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung jeweils im November des entsprechenden Vorjahres bekannt.

Was ?ndert sich mit der Gesetzesnovelle für die Ausbildungsvergütung? Ein Erkl?rfilm bringt die wichtigsten Neuerungen verst?ndlich auf den Punkt.

Teilzeitberufsausbildung jetzt für alle m?glich

Wer den betrieblichen Teil seiner Ausbildung in Teilzeit absolvieren m?chte, musste dafür bislang einen besonderen Grund nachweisen. Das ist ab dem 1. Januar 2020 nicht mehr erforderlich.

Das Einverst?ndnis des Ausbildungsbetriebes vorausgesetzt, kann die Ausbildung teilweise oder komplett mit?verringerter Stundenzahl durchgeführt werden. Ein Anspruch auf Teilzeitausbildung besteht jedoch nicht. Und: Die Kürzung der t?glichen oder w?chentlichen Ausbildungszeit darf 50 Prozent einer Vollzeitausbildung nicht übersteigen.

Die Dauer der Ausbildung verl?ngert sich entsprechend, h?chstens jedoch bis zum Anderthalbfachen der regul?ren Ausbildungsdauer. Das bedeutet: Bei einer regul?r dreij?hrigen Ausbildung darf die Teilzeitvariante?maximal 4,5 Jahre in Anspruch nehmen.

Die Berufsschule ist an eine im Ausbildungsvertrag vereinbarte Teilzeit nicht gebunden. Die Einbeziehung der Berufsschulzeiten in das Modell muss deshalb zwischen Betrieb, Auszubildenden und Berufsschule abgestimmt werden.

Eine Ausbildung in Teilzeit ist künftig eine Option für alle Azubis; gleichzeitig wird das Konstrukt attraktiver ausgestaltet. Im Film erfahren Sie die Details.

Gleichstellung vollj?hriger und minderj?hriger Auszubildender bei Freistellung und Anrechnung

In puncto Freistellung für Berufsschul- und Prüfungszeiten gilt für erwachsene künftig dasselbe wie für jugendliche Azubis:?

Beginnt der Berufsschulunterricht vor 9 Uhr, darf ein vollj?hriger Auszubildender künftig nicht mehr vorher in seinem Betrieb besch?ftigt werden.

Zudem sind ab dem 1. Januar 2020 auch erwachsene Azubis freizustellen:

  • für die Teilnahme am Berufsschulunterricht,
  • an einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden von je?mindestens 45 Minuten, einmal in der Woche,
  • in Berufsschulwochen mit einem planm??igen Blockunterricht von 25 oder mehr Stunden an mindestens fünf Tagen sowie
  • an dem Arbeitstag unmittelbar vor dem Tag der schriftlichen Abschlussprüfung.

Neu ist au?erdem, dass in den letzten drei genannten F?llen die durchschnittliche Tages- beziehungsweise Wochenausbildungszeit angerechnet wird. Dies gilt auch für Minderj?hrige nach § 9 JArbSchG.

Berufe durchl?ssiger gemacht

Bei aufeinander aufbauenden Ausbildungsberufen mit gestreckter Abschlussprüfung ist es künftig m?glich, dass Azubis, die die Abschlussprüfung eines drei- oder dreieinhalbj?hrigen Ausbildungsberufes nicht bestanden haben, auf Antrag den Abschluss des zweij?hrigen Berufes erwerben k?nnen. Dafür müssen sie im ersten Teil der Abschlussprüfung mindestens ausreichende Leistungen erreicht haben.

Hinweis: Sieht ein Ausbildungs- oder ein geltender Tarifvertrag vor, dass der Auszubildende nach erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung in ein Arbeitsverh?ltnis übernommen wird, kann der Azubi diesen Anspruch – abh?ngig von der genauen Formulierung im Vertrag – auch für den Fall der Zuerkennung des zweij?hrigen Berufes geltend machen.

Darüber hinaus werden Auszubildende vom ersten Teil der Abschlussprüfung oder Zwischenprüfung eines drei- oder dreieinhalbj?hrigen Ausbildungsberufes befreit, wenn sie die Abschlussprüfung des zweij?hrigen Berufes bestanden haben.

Beide Varianten setzen voraus, dass die jeweiligen Ausbildungsordnungen die Durchl?ssigkeit ausdrücklich vorsehen. Bestehende Ausbildungsordnungen müssen daher noch angepasst werden, bevor die neuen Regelungen greifen k?nnen.?

Moderne Bezeichnungen für Fortbildungen eingeführt

Das neue Berufsbildungsgesetz führt die Abschlussbezeichnungen "Geprüfter Berufsspezialist", "Bachelor Professional" und "Master Professional" für die Fortbildungsabschlüsse ein.

Diese Begriffe bringen die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung zum Ausdruck und unterstreichen die Praxisn?he sowie die?besonderen F?higkeiten von Industriemeistern, Fachwirten oder Bilanzbuchhaltern.?

Der Zusatz "Professional" gew?hrleistet die Abgrenzung zu akademischen Abschlüssen.?Die neuen Bezeichnungen sind zudem ein wichtiger Beitrag zum internationalen Nachweis der beruflichen Handlungsf?higkeit und unterstützen die Mobilit?t von?Fachkr?ften aus Deutschland.?

Ihre Verwendung setzt voraus, dass Bezeichnungen der Abschlüsse in den einzelnen Fortbildungsordnungen angepasst werden. Es wird daher unmittelbar zum 1. Januar 2020?noch nicht m?glich sein, die neuen Titel zu erwerben.

Prüferehrenamt entlastet, Freistellung geregelt

Die IHK-Organisation hat sich besonders für Entlastungen der ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer eingesetzt – mit Erfolg: Künftig dürfen zwei anstelle von drei Prüfungsausschussmitgliedern die Ergebnisse schriftlicher Prüfungen bewerten, wenn der gesamte Ausschuss dies vorher entsprechend beschlie?t. Für praktische Prüfungen gilt diese Regelung nur dann, wenn es sich nicht um "flüchtige"?Prüfungsleistungen handelt,?also um Prüfungssituationen, die wie?etwa eine?Fahrprüfung?nicht?rekonstruiert werden k?nnen.?

Bisher war die Freistellung von Prüfern für ihre ehrenamtliche T?tigkeit im Berufsbildungsgesetz nicht? geregelt. Mit der Neufassung des BBiG sind Prüfer künftig freizustellen, wenn der Ausübung des Prüferehrenamtes keine wichtigen betrieblichen Gründe entgegenstehen.

Logo BMBF

Die BBiG-Novelle beim BMBF

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die wichtigsten mit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes einhergehenden ?nderungen auf seiner Website zusammengestellt.

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Frau vor Gem?lde im Haus der deutschen Wirtschaft
Christina Mersch Bereichsleiterin Ausbildung

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Mann steht vor Gem?lde.
Dr. Oliver Heikaus Bereichsleiter Weiterbildung, Gesch?ftsführer DIHK-Bildungs-GmbH
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